StartseiteNewsBischof Oscar Romero fühlte sich in seinem Glauben durch den hl. Josefmaria gestärkt
News

Bischof Oscar Romero fühlte sich in seinem Glauben durch den hl. Josefmaria gestärkt

21 Mai 2015

Stichwörter: Glaube, Kirche, Rom, Josemaría Escrivá
Msgr. Joaquín Alonso
Msgr. Joaquín Alonso
Am 23. Mai wird der Bischof Óscar Arnulfo Romero in El Salvador seliggesprochen. Wir stellen ein Interview mit Msgr. Joaquín Alonso vor, der den zukünftigen Seligen 1974 in Rom kennenlernte.

Msgr. Joaquín Alonso (Sevilla, 1929) ist Jurist und hat den Doktortitel in Kirchenrecht erworben. Während vieler Jahre war er einer der engsten Mitarbeiter des hl. Josefmaria in der Leitung des Opus Dei. Seit 62 Jahren weilt er in der italienischen Hauptstadt, wo er theologischer Berater der Kongregation für die Heiligsprechungen ist.

Interview von Rodrigo Ayude. Autorisierte Übernahme von der Webseite www.opusdei.org.



Msgr. Alonso, wie war Ihre erste Begegnung mit dem zukünftigen Seligen?

Das war 1974 in Rom. Am 30. Oktober jenen Jahres kam er – und das nicht zum ersten Mal – nach Rom und der hl. Josefmaria, der ihn wenige Tage später, am 8. November, empfangen wollte, bat mich, dabei zu sein. Msgr. Romero war wenige Tage, bevor er die Reise antrat, zum Bischof von Santiago de Maria in El Salvador ernannt worden.

Bischof Romero sagte damals, die Reise in die Ewige Stadt sei providentiell gewesen, denn sie half ihm, ein wenig aus seiner gewohnten Umgebung auszusteigen, Distanz zu nehmen und die kleine Welt – so sagte er –, die auf ihm lastete, von einem anderen Horizont aus zu sehen. Auch spürte er die Last der Verantwortung die sein neuer Bischoffsitz für ihn bedeutete und brauchte die Möglichkeit zu Gespräch und hilfreichem Beistand.


Erinnern sie sich noch an etwas Konkretes aus diesen Tagen?

Für mich bedeutete dieser Besuch eine Möglichkeit, längere Zeit und recht tief mit Bischof Romero zu sprechen. Es waren sehr brüderliche und priesterliche Gespräche. Unter anderem sagte … mir, er habe seit den 60er Jahren geistliche Leitung bei einem Priester des Opus Dei, Juan Aznar, der im März 2004 verstorben ist.

Später erfuhr ich nähere Einzelheiten über seine Bekanntschaft mit Juan Aznar. So hatte er ihm etwa in einem Brief von 1970 anvertraut: „Niemand außer Ihnen versteht, was in meiner Seele vorgeht.“ Und 1973, als er ihm Glückwünsche zu Weihnachten schickte, äußerte er: „Ich habe Ihre weisen Ratschläge immer vor Augen.“ Der selige Óscar Romero war ein dankbarer Priester, ich war daher sehr bewegt, als ich von seiner Ermordung gerade während der Feier der Eucharistie erfuhr, welche ja die Danksagung schlechthin ist.
Bischof Romero wird am 23. Mai 2015 seliggesprochen
Bischof Romero wird am 23. Mai 2015 seliggesprochen

Wie spielte sich die Begegnung von Bischof Romero mit dem hl. Josefmaria ab?

Der hl. Josefmaria empfing ihn am 8. November. Das Gespräch dauerte fast eine Stunde und am Schluss sagte mir Bischof Romero, dass diese Begegnung ihn tief beeindruckt habe. Er habe sich durch den hl. Josefmaria in seinem Glauben bestärkt und durch die herzliche Umarmung des Gründers geliebt und verstanden gefühlt. Er nannte den hl. Josefmaria einen „Mann Gottes“ und nutzte dieses Treffen, um ihn nach Zentralamerika einzuladen, eine Einladung, der dieser 1975, bei seiner letzten katechetischen Reise durch den Lateinamerika nachkommen konnte.

Bischof Romero konnte bei dieser seiner Reise auch den seligen Paul VI. begrüßen und mit großer Freude ermutigende Worte von ihm mitnehmen. Später sagte er mir noch, diese Reise hätte ihn an seiner ersten Jahre als Priester erinnert, und er betrachte sie als ein Geschenk Gottes.

Gab es in den folgenden Jahren noch weitere Begegnungen?

Ich weiß noch, dass er am 26. Juni 1978 – dem dritten Jahrestag des Heimgangs von Josemaría Escrivá – die Messe in der Krypta der Prälaturkirche feierte, wo damals die sterblichen Überreste des Gründers ruhten. Ich assistierte ihm zusammen mit Francisco Vives. Er hielt eine kurze Predigt, die von seiner Zuneigung und Dankbarkeit zeugte. Dabei sagte er, dass der hl. Josefmaria sich seit dem ersten Augenblick ihrer Bekanntschaft wie ein Bruder um ihn gesorgt habe. Diese Worte hinterließ er auch schriftlich.

Das fand, wie gesagt 1978 statt, ein Jahr nachdem Bischof Romero zum Erzbischof von San Salvador ernannt worden war. Damals, so sagte er in aller Öffentlichkeit, war ein anderer Priester des Opus Dei, Msgr. Fernando Sáenz Lacalle, sein geistlicher Begleiter.

Welche Gedanken hat die Nachricht von seinem gewaltsamen Tod in Ihnen ausgelöst?

Das tragische Ereignis hat mich ungemein erschüttert und in mir den Wunsch wachgerufen, ihn mit meinem Gebet zu begleiten und mich gleichzeitig seiner Fürsprache anzuvertrauen. Auch betete ich zu ihm für die Kirche in Lateinamerika. Es war aber auch ein Grund zur Dankbarkeit Gott gegenüber, dass er mir die Gelegenheit gegeben hatte, diesen Mann Gottes persönlich kennen zu lernen.