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Persönliche Zeugnisse

Hula tanzen und dabei heilig werden

Jane Reckart, Mutter von sechs Kindern, Ingenieurin

Stichwörter: Erziehung, Freiheit, Ehe, Heiligkeit, Arbeit
Ich lernte von der Freiheitsliebe des heiligen Josefmaria, dass Gott mich aus einem bestimmten Grund so erschuf, dass ich als Christ offen sein soll für seinen Ruf, und dass ich erfüllen kann, was er von mir will. Ich kann kaum erwarten herauszufinden, wie eine jamaikanisch-englische Hula-tanzende Ingenieurin mit sechs Kindern in seinen Plan passt.

Alles was ich über den Katholizismus weiß, lernte ich von Mitgliedern des Opus Dei. Ich war Ingenieurstudentin in Stanford, als ich einen Mann traf, der später mein Ehemann werden sollte. Er war im Opus Dei, aber in meinen unerfahrenen Augen einer Achtzehnjährigen ohne religiöse Bildung war er ein sehr katholischer junger Mann, und ich wollte nicht ausgeschlossen sein von dem, was offensichtlich ein wichtiger Teil seines Lebens war.

Bei einem Priester des Opus Dei bekam ich Unterrichte über den katholischen Glauben, um diesen kennen zu lernen und zu wissen, ob ich ihn annehmen konnte. Ich erinnere mich, dass ich nach jeder Stunde dachte: "Das macht so viel Sinn. Ich wundere mich, warum nicht jeder Katholik ist." Zur gegebenen Zeit wurde ich Katholikin, aber ich fand den Unterricht so hilfreich, dass ich ihn weiter besuchte. Als ich das College abgeschlossen hatte, wurde ich als Supernumerarierin Mitglied des Opus Dei, .

Ich schätzte das Werk wegen seiner reichen katholischen Lehre, die es mir vermittelte. Was aber die Sache verstärkte und mich von dem Gedanken "diese Leute lehren schönen, coolen Stoff" abbrachte und hinführte zu "ich möchte ein Teil davon sein", war des Gründers große Freiheitsliebe. Es gibt da eine Geschichte über den hl. Josefmaria, die ich einige Male gehört habe, aber immer wieder ein bisschen anders. Hier ist meine liebste Darstellung:

Der hl. Josefmaria beschrieb einmal die Berufung zum Opus Dei so, als befinde man sich auf einem Weg. Es ist ein Pfad, der zu Gott führt, aber es ist die freie Entscheidung eines jeden, wie er darauf vorwärts geht. Wir können geradeaus gehen, ein bisschen im Zickzack, Purzelbäume machen, Rumba tanzen oder Motorrad fahren. Wir sind absolut frei, den Geist des Opus Dei in der Art und Weise zu leben, die unseren persönlichen Umständen entspricht.

Das sprach mich an, weil ich in meinem ganzen Leben niemals das Gefühl hatte, irgendwo hinzupassen. Der amerikanische Traum, die amerikanische Art zu leben, schien für jemand anderen entworfen zu sein, jemand, auf den meine Beschreibung nicht passte. Meine Eltern wanderten in die Vereinigten Staaten ein und das prägte die ganze erste Generation: Wir sprachen mit Akzent, wir aßen andere Mahlzeiten; was wir aßen, aßen wir anders, weil wir Gabel und Messer anders gebrauchten als jeder andere. Ich hatte sogar zwei Staatsbürgerschaften, eine von den Vereinigten Staaten und eine von Großbritannien, weil mein Vater noch kein amerikanischer Bürger war.

Ich passte nicht wegen meiner Nationalität und wegen meiner Rasse. Wenn ich ein Formular ausfüllen musste, machte ich das Kreuz für die "ethnische Zugehörigkeit" bei andere, weil mein Vater ein Kaukasier aus England und meine Mutter eine zimtbraune Jamaikanerin ist. Wenn du "andere" ankreuzt, fühlst du dich anders als alle anderen.

Während die meisten amerikanischen Väter damit beschäftigt waren, die Erfolgsleiter hoch zu klettern, führten meine Eltern eher ein Hippieleben. Sie nahmen uns mit nach Mikronesien, wo mein Vater Arzt im Peace Corps war. Ich verbrachte meine Kindheit in den Tropen, kletterte auf Guavebäume und lernte im Fluss schwimmen, während meine Altersgenossen zu Hause sich auf Skateboards und Rollschuhen vergnügten. Man braucht sie nicht, wenn man keine geteerten Straßen und Gehwege hat. Während meine Klassenkameraden zu Hause ihre freie Zeit damit verbrachten, die amerikanischen Top Forty anzuhören, Brady Bunch ansahen und am Telefon kicherten, hatten wir weder Radio noch Fernsehen noch Telefon. Wenn mein Vater im Krankenhaus gebraucht wurde, wurde ein Diensttuender zu unserem Haus gesandt, um an die Fenster zu klopfen und ihn zu rufen.

Später zogen wir nach Hawai, wo wir dann einige der aus amerikanischer Sicht notwendigen Dinge hatten. Wir hatten ein Telefon und einen Fernseher, allerdings wurden die Fernsehsendungen eine Woche später als auf dem Festland gesendet, so dass wir jedes Jahr die Feiern zu Thanksgiving sahen, während wir uns schweren Herzens mit den Vorbereitungen auf Weihnachten befassten. Unsere Stadt hatte ein Kino, aber es wurde auch als Sarglager benutzt, so dass nie jemand in den ersten Reihen saß. Dazu kam, dass Hawai einen großen Bevölkerungsanteil an Asiaten hat und daher meistens Kung Fu Filme gezeigt wurden. Während auf der anderen Seite des Pazifiks Mädchen in meinem Alter Ballettstunden nahmen, um ihre Haltung und Anmut zu verbessern, tanzte ich Hula, lernte die Gesänge der Vorfahren und fertigte wohlriechende Halsketten an.

Ich besuchte ein College in Kalifornien, nachdem ich klar gemacht hatte, dass ich keine Stunde vom Ozean entfernt überleben würde. Ich passte noch nicht einmal in das College. Ich war der einzige Mensch, so weit ich weiß, der aus einer Familie mit sechs Kindern kam. Noch schlimmer war, dass meine Familie weder der katholischen noch der mormonischen Kirche angehörten, was für jeden die große Kinderzahl gerechtfertigt hätte. Ich weiß nicht, wie viele Male ich gehört habe: „Warum würde jemand so viele Kinder haben, wenn er sie nicht haben müsste?“

sogar nach meiner Abschlussprüfung passte ich nicht. Während meine Schuldkameraden Geschäftsführer, Ärzte und Rechtsanwälte wurden und für die Zukunft ein oder zwei Kinder planten, wurde ich eine Hausfrau, die schnell hintereinander sechs Kinder bekam. Gelegentlich tanzte ich auch Hula. Der Höhepunkt meiner Tanzlaufbahn war sicherlich, als ich drei Tage vor der Geburt meines ältesten Sohnes für eine besonders liebenswerte Schar von Zuschauern tanzte.

Was ich von der Freiheitsliebe des hl. Josefmaria lernte, ist, dass es nichts ausmacht, ob man passt oder nicht. Ich brauchte nicht hineinzupassen. Gott machte mich aus einem bestimmten Grund so wie ich bin, und als Christ brauche ich nur offen zu sein, um das zu erfüllen, was er von mir will. Ich kann kaum erwarten, herauszufinden, wie eine jamaikanisch-englische Hula-tanzende Ingenieurin mit sechs Kindern in seinen Plan passt. Ich weiß, es wird nicht langweilig werden.

Das Opus Dei hat mein Leben unglaublich bereichert, im Praktischen und mehr noch im Geistlichen. Im praktischen Sinn insofern, als ich, würde ich mir die Statistiken der amerikanischen Ehen ehrlich anschauen, ohne das Werk nicht mehr mit meinem Mann verheiratet wäre, den ich sehr liebe. Der heilige Josefmaria lehrte mich, dass der Weg zur Heiligkeit über den Ehemann geht. Mit diesem Satz im Kopf muss ich jetzt viel heiliger sein, als zu der Zeit, bevor ich meinen Mann traf – oder besser, so scheint es mir an manchen Tagen. Der hl. Josefmaria lehrte uns, die Fehler des Partners zu lieben, und ich tue das, wenn auch manchmal mit zusammen gebissenen Zähnen. Es hilft zu wissen, dass, wenn ich meine Zähne zusammen beiße, er genauso hart versucht, meine Fehler zu lieben, wie z.B. dass die Zeitung im Abfall landet, bevor er sie fertig gelesen hat, oder dass ich durch die Küche eile und die Milch, die er gerade zum Einschütten in ein Glas herausgenommen hat, wieder zurückstelle.

Eine andere praktische Folge der Zusammenarbeit mit dem Opus Dei und der Unterstützung durch das Werk ist, dass ich nicht so viele Kinder hätte, die mein Leben mit Liebe, Kitzeln und Lachen überschütten. In meinem ganzen Leben träumte ich davon, eine große Familie zu haben, wie die, in der ich aufgewachsen bin, aber ich war nicht vorbereitet auf die entkräftenden Schwangerschaften, wie sie sich bei mir zeigten. Bei jeder Schwangerschaft war ich für Monate krank, matt und niedergedrückt. Ich hätte nie mehr als ein oder zwei Kinder, wenn ich nicht vom hl. Josefmaria gelernt hätte, dass man, selbst wenn es schwierig ist, Kinder großmütig in der Familie willkommen heißt, und mit ihnen die Liebe teilt, die Gott uns gibt. So bauen wir an der Gesellschaft mit und nehmen an Gottes Schöpfungsakt teil.

Was die geistliche Hilfe angeht, habe ich durch das Opus Dei einen neuen Tiefgang in meinen täglichen Arbeiten gewonnen, ob es nun Berge von Wäsche zu bewältigen gibt oder zum Volleyballtraining gefahren werden muss. Der hl. Josefmaria lehrte uns, dass die Arbeit kein Hemmschuh dafür ist, mehr Zeit mit Gott zu verbringen. Im Gegenteil, unsere Arbeit kann Gebet sein, wenn wir sie gut tun und sie ihm aufopfern. Als ich vor ein paar Tagen Zahnpasta von den Sonnenblenden geschrubbt habe (ich kann mir nur vorstellen, dass einer jemanden mit einer Zahnbürste voll Zahnpasta gejagt hat), war das Gebet, sofern ich es aus Liebe zu Gott getan habe und nicht mit dem Gedanken, was ich mit den Kindern tue, wenn ich sie erwische. Eine sehr interessante Vorstellung!

Dadurch, dass ich meine Arbeit Jesus Christus aufopfere, wird sie erst wertvoll. Das ist wichtig, wenn du Windeln über Windeln wechselst und dazwischen verschüttete Milch aufwischst oder endlosen Zank zwischen den Geschwistern schlichtest. Es muss einfach mehr im Leben geben als nur deine Kinder nicht zu unterdrücken. Es gibt mehr! Der hl. Josefmaria lehrte uns, das Kreuz zu umarmen, besonders die kleinen Kreuze, die Gott uns jeden Tag schickt. Und ich meine, wenn du einen kaputten Kugelschreiber in einem gefüllten Trockner findest - nicht nur einmal, sondern dreimal in drei Wochen - dann ist das so ein kleines Kreuz, oder etwa nicht?

Das Werk gibt mir einen moralischen Kompass für die ethischen Entscheidungen, die jeden Tag vor mir liegen wie das Unkraut in meinem Garten. Ich bin besonders dankbar für diesen Kompass, wenn ich den Kindern beibringe, wie die katholische Moral in ihrem aufregenden Leben im einundzwanzigsten Jahrhundert anzuwenden ist. Alle Eltern haben moralische Normen, die sie ihren Kindern weitergeben wollen, aber das Opus Dei hat mir geholfen, diese Regeln meinen Kindern näher zu bringen und ihnen zu erklären warum sie wichtig sind. So kann ich sagen: "Deine Schwester mit einem Stock zu schlagen, ist nicht falsch, weil ich es so sage, sondern weil wir alle lernen müssen, unseren Ärger unter Kontrolle zu bringen. Und ist es nicht in der Tat wunderbar, dass du eine Schwester hast, die dir so viele Gelegenheiten gibt, deinen Ärger zu beherrschen?" Zusätzlich hat das Werk mir das Selbstvertrauen gegeben, zu meinen moralischen Werten zu stehen, auch wenn es so aussieht, als täte dies kein anderer. Das hilft, wenn die Kinder nach Hause kommen und zum wiederholten Male betteln: "Bitte kann ich einen Gameboy, ein Nintendo oder ein anderes elektronisches Gerät haben. Ich bin der einzige in meiner Klasse, der es nicht hat." Anstatt mich zu sorgen, ob ich im Unrecht bin und wir die einzige Familie im Großraum Tucson sind, die diese Spiele nicht hat, kann ich zuversichtlich erklären, dass unsere Zeit ein Geschenk Gottes ist, die wir besser verbringen sollten, z.B. mit Hausaufgaben, Hausarbeit oder sogar mit Gesprächen in der Familie.

Von meiner Mutter habe ich gelernt, eine Mutter zu sein. Von den Freunden im Werk habe ich gelernt, eine katholische Mutter zu sein. Ich erinnere mich besonders dankbar an eine Freundin, die mit ihrem sechsten Kind schwanger war, als ich mein erstes erwartete. Ich durfte vorbei kommen und wir gingen mit ihren Kindern Schlitten fahren – es war mein erster Winter im Schnee. Sie lehrte mich auch, dass es mehr Sinn hatte, Kinderkleider in einem Secondhand-Laden zu kaufen, weil die Kinder heraus wachsen, bevor sie abgetragen sind. Wir kaufen noch immer in einem Secondhand-Laden, und das Geld, dass wir dadurch gespart haben, konnten wir sinnvoller nutzen. Christliche Armut, so lernte ich vom hl. Josefmaria, liegt nicht darin, dein Herz mit Dingen zu füllen, sondern sie zu nutzen, um Gottes Plan zu erfüllen und sich von ihnen zu lösen, damit dein Herz für Gott offen ist. Dieses Argument ist unverzichtbar, wenn ich mit meinen Teenagern diskutiere, warum sie keine Markenjeans haben können oder ein Auto, das jünger ist als sie.

Ich habe gelernt, dass Gott uns unsere Fähigkeiten und Talente aus einem bestimmten Grund gegeben hat und wir sie Gott zur Verfügung stellen müssen, damit er sie für seinen großen Plan verwenden kann. Ich habe auch gelernt, dass Gott mir bestimmte Fähigkeiten nicht gegeben hat, und dass auch das seinen Grund hat.

Nehmen wir z.B. das Kochen. Ich bin eine schreckliche Köchin, und um alles noch schlimmer zu machen, hat Gott die Verdauung so geplant, dass ich jeden Tag dreimal kochen muss, um meine Familie am Leben zu erhalten. Während ich ein weiteres ungenießbares Gericht in den Ausguss schüttete, habe ich jeweils genügend Zeit gehabt, darüber nachzudenken, wie Gottes Plan sich wohl durch meine mangelnde Fähigkeit in diesem Bereich verwirklichen kann. Nun, erstens hilft es mir, demütig zu werden. Demut ist eine ziemlich vergängliche Tugend und es ist schwer, sie festzuhalten, um sie in unserem Leben nutzbar zu machen. Ich will jetzt nicht darauf eingehen, dass ich ein langsamer Lerner bin, besonders in Sachen, die den Stolz betreffen. So gibt mir Gott jeden Tag die Möglichkeit zu beten: "Ich kann diese Mahlzeit nicht kochen und ich möchte es nicht tun, aber mit deiner Hilfe und aus Liebe zu meiner Familie will ich es erneut versuchen." Zweitens habe ich gelernt, dass ich durch meine Arbeit meine Liebe meiner Familie und zu Gott zeigen kann, sogar, wenn ich die Arbeit schwierig finde. Drittens zeigen meine Kinder mehr Verständnis, wenn sie mich täglich mit meinem Unvermögen zu kochen, kämpfen sehen. Sie haben gelernt nicht „Bah, das schmeckt ekelhaft“ zu sagen. Statt dessen umarmen sie mich und sagen: "Mami, danke, dass du so hart gearbeitet hast, das Essen zu richten, aber es war nicht gerade mein Lieblingsgericht."

Vielleicht hat das Opus Dei mich ganz grundlegend mit einem zusammenhängenden Gerippe versorgt, in das ich jeden Teil meines Lebens hinein gebaut habe. Auf der untersten Ebene wird mein täglicher Rhythmus von der Tugend der Frömmigkeit skandiert, die ich vom Werk gelernt habe. Täglich zur hl. Messe zu gehen, eine Zeit des persönlichen Gebetes zu halten, ein geistliches Buch zu lesen und den Rosenkranz zu beten sind Möglichkeiten nach Gott zu greifen, ihn zu umarmen und ihm für meinen Mann, meine Kinder und viele andere Wohltaten zu danken, die er mir gibt. Aber diese vorgegebenen Dinge reichen weit über meinen organisierten Tag hinaus, sie bestimmen mehr und mehr, wie ich meine Familie sehe, meine Arbeit tue, meine täglichen moralisch relevanten Entscheidungen treffe, und welchen hohen Wert ich Freundschaften beimesse. Es gibt keinen Teil in meinem Leben, der nicht im Umgang mit dem Opus Dei aufgewertet wurde, und dafür werde ich immer dankbar sein.

Persönliches Zeugnis aus dem Buch: Women of Opus Dei, In Their Own Words, Ed .M. T. Oates, Linda Ruf und Jenny Driver, veröffentlicht bei Crossroad, New York, 2009