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Persönliche Zeugnisse

Ich bringe meine beruflichen Sorgen vor den Herrn

Christian Wilke, Krankenpfleger, Mitarbeiter des Opus Dei

4 April 2010

Stichwörter: Mitarbeiter des Opus Dei, Beruf
Christian Wilke arbeitet als Krankenpfleger in einem Maßregelvollzug für Gewalt- und Sexualstraftäter. Und er ist Mitarbeiter des Opus Dei. In einem Interview schildert er seinen Weg und seine anspruchsvolle Tätigkeit.

Wie haben Sie das Opus Dei kennengelernt?
Vorweg will ich sagen, dass ich 27 Jahre alt und verheiratet bin. Wir haben zwei Kinder. Von Beruf bin ich Krankenpfleger. Ich bin auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in einer Familie aufgewachsen, die zur Evangelischen Kirche gehörte und auch zum jetzigen Zeitpunkt an ihrer Konfession festhält. Ich bin in der Evangelischen Kirche getauft und auch konfirmiert worden. Seit ich sechzehn Jahre alt war, bin ich nur noch sporadisch, meist zu Weihnachten, in die Kirche gegangen. Meinen spirituellen Weg suchte ich bei den „Jesus Freaks“ und im Judaismus.

Mit der Katholischen Kirche hatte ich bis zum 19. April 2005 eigentlich keine Berührungspunkte. An diesem Tag, ich feierte meinen 23. Geburtstag, rief mich kurz nach 18:00 Uhr ein Onkel von mir an, um mir zu gratulieren. Dann sagte er, dass ein Deutscher der neue Papst sei, es würde gerade im TV übertragen. Mein Onkel verabschiedete sich und legte auf. Aus Neugier schaltete ich den Fernseher ein. Der neue „deutsche“ Papst sagte in jenem Augenblick: „Liebe Brüder und Schwestern, nach dem großen Papst Johannes Paul II. haben die Kardinäle mich gewählt, einen einfachen, demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Mich tröstet die Tatsache, dass der Herr selbst mit unzureichenden Werkzeugen zu arbeiten und zu handeln weiß. Und vor allem vertraue ich mich euren Gebeten an. Mit der Freude des auferstandenen Herrn und im Vertrauen auf seine ständige Hilfe werden wir voranschreiten. Der Herr wird uns helfen und Maria, seine heiligste Mutter, wird an unserer Seite sein. Ich danke euch.“

Diese Worte gingen mir in den nächsten Tagen nicht mehr aus dem Kopf. Aus einem inneren Antrieb heraus beschäftigte ich mich in den folgenden Monaten und Jahren mit den Themen Glaube und Kirche. Zum ersten Mal in meinem Leben beschäftigte ich mich auch mit der Katholischen Kirche. Mich interessierten vor allem die Liturgie, die Sakramente und das Lehramt. Ich kaufte mir den Katechismus der Katholischen Kirche und war überrascht, dass ich auf einmal Antworten auf Glaubensfragen erhielt, die mich schon immer beschäftigt hatten. Antworten auch komplexerer Natur, die ich in der Evangelischen Kirche, bei den „Jesus Freaks“ und im Judaismus nicht gefunden hatte. Immer tiefer spürte ich in mir das Verlangen zu dieser Kirche hinzu zu gehören, gleichzeitig meldeten sich bei mir Klischees aus meiner Kindheit über die Katholische Kirche. Vor allem, dass der Papst der falsche Prophet des Antichristen sei, dass Marien- und Heiligenverehrung Götzendienst seien usw. (Solche Ansichten sind in evangelikalen Kreisen auch heute immer noch verbreitet und wurden uns als Kindern beigebracht.) Trotz dieser Regungen wollte ich immer mehr über die Katholische Kirche in Erfahrung bringen und las ziemlich viele Bücher über die Katholische Kirche, Papstgeschichte, Katholische Theologie, etc.

Eines Tages surfte ich im Internet auf der Suche nach einem neuen Buch über die Katholische Kirche. Auf einer Internetseite eines großen deutschen Versandhandels sprach mich ein Buch an, dass als ein geistlicher Klassiker beschrieben wurde; es handelte sich um ein Buch mit dem Titel „Der Weg“ von einem Josemaría Escrivá de Balaguer. Irgendetwas in mir ließ mich dieses Buch bestellen. Als es ein paar Tage später per Post geliefert wurde, schaute ich aus Neugier gleich hinein. Beim Lesen der Einführung hatte ich das Gefühl, dass diese nur für mich geschrieben war: Jedes Wort, jeder Satz sprach zu meiner Seele, und von da an wusste ich, dass mein himmlischer Vater für mich einen Platz in seiner Kirche, der Katholischen Kirche, vorgesehen hatte.

In den folgenden Monaten nahm ich Kontakt zur Katholischen Gemeinde in unserem Wohnort auf, erhielt Katechismusunterricht und ging so oft es mir mein Beruf gestattete zur Heiligen Messe. Am 08. November 2007 erhielt ich das Sakrament der Firmung. Während all dieser Zeit begleitete mich der heilige Josemaría Escrivá in seinen Büchern, welche ich mir alle nach und nach zugelegt hatte. Über seine Bücher erhielt ich auch Einblick in das Wesen und die Aufgaben des Werkes. Ich informierte mich im Internet über das Opus Dei und seine Aktivitäten. In meiner Gemeinde kannte leider niemand die Prälatur Opus Dei.

Über die Homepage des Werkes erfuhr ich von einer Präsentation einer neuen Biographie des heiligen Josemaría Escrivá, die am 29. Oktober 2008 in Köln stattfinden sollte. Spontan fuhr ich mit meinem Vater an diesem Tag nach Köln. Wir waren schon am Nachmittag in Köln eingetroffen, die Buchvorstellung fand erst am Abend statt, so dass wir noch Zeit hatten den Kölner Dom zu besichtigen, was auch ein beeindruckendes Erlebnis für mich war. Zu der Buchpräsentation, die in einem Kölner Hotel stattfand, gingen wir im Anschluss. Mein Vater und ich setzten uns in eine der hinteren Stuhlreihen. Ein freundlicher Mann begrüßte uns und wir kamen ins Gespräch. Er schien überrascht, dass wir den weiten Weg - ca. 500 km - für eine Buchbesprechung zurückgelegt hatten. Wie sich herausstellte, war der freundliche Mann ein Numerarier des Werkes. Er stellte uns noch andere Mitglieder des Werkes vor, unter anderem auch Prälat Cesar Ortiz, welcher uns ebenfalls herzlich begrüßte. Nachdem die Buchbesprechung vorbei war, sprachen wir noch mit verschiedenen Mitgliedern des Werkes. Es war ein sehr schöner Abend für meinem Vater und mich.

Der freundliche Numerarier, der mittlerweile auch ein Freund von mir ist, gab mir die Information, dass es auch Einkehrtage in Sachsen gibt, sowie eine Adresse, an die ich mich für weitere Informationen wenden könne. An einem der folgenden Tage meldete ich mich dort, bekam sehr schnell eine Antwort und wurde zu einem Einkehrabend eingeladen.

Ich fühlte mich gleich vom ersten Treffen an angenommen und spürte auch, dass die Einkehrabende eine Bereicherung für mein geistiges Leben sind. Ich würde die Einkehrabende wie eine Tankstelle beschreiben, an der man seinen Geist und seine Seele wieder für den Alltag auflädt. Auch wenn ich dafür jedes Mal anderthalb Stunden Fahrzeit pro Strecke investiere, möchte ich die Einkehrabende nicht missen und freue mich auch schon auf Besinnungstage, die ich in diesem Jahr mitmachen werde. Ich kann auch bestätigen, dass die Atmosphäre innerhalb des Werkes familiär ist.

Was hat Sie dann bewogen Mitarbeiter des Opus Dei zu werden?
Nachdem ich an den Einkehrabenden teilgenommen hatte und sich freundschaftliche Beziehungen entwickelt hatten, suchte ich nach einer Möglichkeit mich noch mehr in das Werk einzubringen. Denn je mehr ich in Berührung mit den einzelnen Mitgliedern des Werkes kam, desto mehr reifte in mir der Wunsch, zum Werk dazugehören zu wollen. Ich fragte also im Gebet unseren Herrn Jesus nach seinem Willen und seine Antwort erhielt ich in einer Kreuzwegmeditation von Romano Guardini. Ich weiß noch wie heute, dass es die siebte Station war, als der Herr mir zu verstehen gab, dass ich zu seiner Kirche gehöre und ich einen Platz in seinem Werk, dem Opus Dei habe. Nach Gespräche mit meinen Freunden beim Werk beschloss ich ein Mitarbeiter der Prälatur Opus Dei zu werden.

Möchten Sie uns etwas von Ihrer Arbeit als gelernter Krankenpfleger erzählen?
Ich arbeite seit zehn Jahren in der Psychiatrie und seit fünf Jahren in der Forensischen Psychiatrie, in einem Maßregelvollzug. Zu unseren Patienten, die vorwiegend Gewalt- und Sexualdelikte begangen haben, gehören auch pädophile Patienten. Ich persönlich empfinde meine Tätigkeit in der Forensischen Psychiatrie als sehr anspruchsvoll, da man auf der einen Seite die Gesellschaft vor psychisch kranken Straftätern schützen muss, auf der anderen Seite aber auch für das Wohl dieser Patienten verantwortlich ist.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen unsere Arbeit in der Forensischen Psychiatrie nicht schätzen und eine negative Einstellung zu diesem Thema haben. Sicherlich trägt auch eine gewisse Unkenntnis der Bevölkerung über dieses Gebiet der Psychiatrie dazu bei. Und die vorwiegend negative und teils verurteilende Berichterstattung mancher Medien im Zusammenhang mit den derzeitigen Fällen von sexuellem Missbrauch Minderjähriger verstärkt dieses schlechte Image. Deshalb ist es für mich um so wichtiger, dass ich auch meine beruflichen Anliegen, Ängste, Nöte und Sorgen im Gebet vor den Herrn bringen kann. Ebenso gibt mir die Gewissheit Kraft, dass Gott mir auch in meiner Arbeit begegnet und mir dabei hilft. Auch wenn meine berufliche Tätigkeit nicht einfach ist und ihren Tribut fordert, tue ich meine Arbeit dennoch gern und mit vollem Einsatz. Denn ich bin davon überzeugt, dass ich meine Arbeit für Gott und für meine Mitmenschen tue und so letztendlich das tue, was der Herr für mich vorgesehen hat und was das Beste für mich ist.

Da ich vorwiegend mit psychisch kranken Menschen arbeite, erlebe oft das Spannungsfeld zwischen den Fachgebieten der Psychologie und der Theologie. Ich persönlich finde, dass diese Fachgebiete sich ergänzen können und somit dem Menschen mehr Nutzen und Hilfe ermöglichen. Deswegen bin ich auch Mitglied der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS).

Was bedeutet es für Sie, Mitarbeiter des Werkes zu sein? Welche Aspekte der Geistes des Opus Dei sind für Sie besonders attraktiv?
Ich bin davon überzeugt, dass Gott mich im Opus Dei haben möchte, um dort zu dienen. Die Teilnahmen an den Einkehrabenden und die persönlichen Kontakte haben mich stets in meiner Überzeugung gestärkt. Ich empfinde auch einen inneren Frieden und Freude darüber, dass ich Teil des Werkes Gottes sein darf. Oft habe ich das Empfinden, dass ich dort „angekommen“ bin, wo ich hingehöre. Gleichzeitig verspüre ich aber auch eine Verantwortung gegenüber mir selbst und meinen Mitmenschen. Schon in vielen Situationen hat mich der Umstand, dass ich ein Mitarbeiter des Opus Dei bin, dazu bewogen Entscheidungen oder Situationen anders zu bewerten. Auch mein geistliches Leben, Gebete, Schriftlesung, betrachtendes Gebet usw. sind bereichert worden.

Die geistlichen Profile des Opus Dei sind mir alle wichtig: Die Gotteskindschaft, christlicher Sinn des Alltagslebens, die Arbeit heiligen, Gebet und Opfer, Leben aus einem Guss, Freiheit und Liebe. Ich finde aber auch, dass die freundschaftliche, familiäre Atmosphäre ein wichtiger Aspekt ist. Ich fühle mich einfach wohl im Werk.

Worin besteht Ihre Hilfe für das Opus Dei? Nehmen Sie an der christlichen Fortbildung teil, die die Prälatur anbietet?
Ich bete jeden Tag für die Prälatur Opus Dei und ihre Mitglieder. Finanziell unterstütze ich die Prälatur im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Leider gibt es in meiner Region noch keine Initiativen oder Zentren des Werkes. Ich arbeite aber ehrenamtlich in unserer Gemeinde als Lektor und Küster mit. Da wir in der Diaspora leben, unterstütze ich das Bonifatiuswerk der Deutschen Katholiken als ständiges Mitglied um meinen Brüdern und Schwestern zu helfen, die ebenfalls in der Diaspora leben.

Ich versuche regelmäßig an den Einkehrabenden teilzunehmen und auch an den Besinnungstagen. Ich nutze auch die Literatur, die mir empfohlen wird, um mich weiterzubilden. Was dabei das Opus Dei direkt angeht, empfehle ich jedem, der mehr darüber erfahren möchte, das Buch von Martin Rhonheimer »"Ihr seid das Licht der Welt" Das Opus Dei – jungen Menschen erklärt«.