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Persönliche Zeugnisse

Jeden Tag bessere Eltern sein

Vittorio Anniballi, Rom, Italien

6 Januar 2009

Stichwörter: Kinder, Ehe, Normaler Alltag
Wer hat denn gesagt, dass eine kinderreiche Familie notwendigerweise eine Belastung oder eine Einschränkung der eigenen Freiheit bedeute? Vittorio Anniballi schwimmt gegen den Strom und erklärt in einem Interview, wie er sein Glück dank seiner Frau Maria Rita und seiner sieben Kinder gefunden hat.

Vittorio Anniballi ist seit 1981 verheiratet und Inhaber einer Baumschule in Rom, im Gebiet von Boccea. Er lernte das Opus Dei durch "Montemario" und "Petranova" kennen, zwei Schulen, in denen sich die Eltern mit großem Einsatz an der Erziehung und Bildung der Kinder beteiligen. 1993 - so Vittorio - erzählte eine Freundin meiner Frau von diesen zwei Schulen. Begeistert von dieser neuen didaktischen Methode wollten wir eines unserer Kinder dort anmelden. Es war eine Art Probe, denn zu jenem Zeitpunkt wussten wir nichts über das Opus Dei. Die Erfahrung erwies sich so positiv, dass wir beschlossen, auch die anderen Kinder dort einzuschreiben.

- Haben Sie dadurch Ihre Beziehung zum Werk vertieft?
Die "Früchte" gaben uns die Möglichkeit, die "Qualität des Baumes" zu erkennen. Da wir die Arbeit dieser Schulen, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern, sehr schätzten, verstanden wir nach und nach den Wert des Werkes.

- Welche Botschaft wurde Ihnen als Ehemann und Vater durch Josemaría Escrivá vermittelt?
Der Gründer des Werkes bezeichnete die Familie als einen Altar. Meine Hauptbeschäftigung besteht darin, mich so viel wie möglich meiner Frau und meinen Kindern zu widmen. Dafür ist es nicht notwendig, etwas Außergewöhnliches zu tun. Es genügt, das Alltägliche mit Liebe zu verrichten, selbst die unbedeutendsten Tätigkeiten. Zum Beispiel, liebevoll gegenüber meiner Frau zu sein oder meinen Kindern zuzuhören.

- Heute scheinen kinderreiche Familien nicht modern zu sein. Was bedeutet es für Sie, so viele Kinder zu haben?
Ich persönlich bin froh bei dem Gedanken, dass unsere Kinder auch Kinder Gottes sind. Die Bildung durch das Opus Dei half mir zu verstehen, dass meine Frau und ich mit dem Herrn zusammenarbeiten, wenn wir unseren Kindern beim Erwachsenwerden helfen. All das ist keine Belastung, sondern eine grosse Freude. Selbstverständlich handelt es sich auch um eine Verpflichtung. Manchmal ist es nicht einfach, die Geduld zu bewahren und nicht die Nerven zu verlieren, aber die Herausforderung für Christen besteht gerade darin, sich jeden Tag zu bemühen, bessere Eltern zu sein, sich zu korrigieren und gegenseitig zu helfen. Zu beginnen und immer wieder zu beginnen, wie Josemaría Escrivá lehrte.

- Gilt diese Lehre auch für die Ehe?
Auch in der Beziehung zwischen Mann und Frau ist das Beginnen und Wiederbeginnen notwendig. Man muss dem Ausdruck "Ich liebe dich", der sich täglich wiederholt, immer wieder eine neue Bedeutung geben. Nicht umsonst lud Josemarií Escrivá dazu ein, die Prosa des Alltages in Liebesgedichte zu verwandeln. Das ist es, was alle Verliebten umsetzen sollten.

- Welche Rolle spielt die Bildungsarbeit des Opus Dei in Ihrem Eheleben?
Meine Frau und ich sind immer sehr einig, aber das Werk hat uns doch mehr verbunden. Wir verstehen uns noch leichter, schon durch einen einfachen Blick. Das ist so, weil wir die Freude empfinden, wichtige Dinge gemeinsam zu tun. Zum Beispiel beginnen wir den Tag mit der heiligen Messe. Wir beten, einer neben dem anderen. Dieser Moment bewirkt eine sehr starke Verbundenheit, die uns hilft, die täglichen Verpflichtungen in Angriff zu nehmen. Danach, wenn wir uns abends nach der Arbeit wiedersehen, bemühen wir uns, die Müdigkeit beiseite zu lassen und uns erneut unsere Liebe zu zeigen. Josemaría Escrivá betonte diesen Moment des Wiedersehens zu Hause sehr. Er ermunterte die Frau dazu, sich schön zu machen, zu lächeln und herzlich zu sein. Und dem Mann sagte er, seine Zärtlichkeit jedes Mal neu zu zeigen.

- Im Fernsehen werden manchmal völlig falsche Familienmodelle vorgestellt. Man sieht in der Werbung schöne und attraktive Eltern, die ohne Eile ein Frühstück einnehmen, umgeben von vergnügten Kindern, die anscheinend nicht in die Schule müssen. Was halten Sie von diesen Bildern?
Mir fällt dazu ein, was der Gründer des Werkes über die Heiligkeit sagte. Ihm gefielen die alten Biographien nicht, in denen die Heiligen fehlerlos und perfekt erschienen. Josemaría Escrivá hat uns gelehrt, dass es im Leben eines jeden Momente geben kann, wo er hinfällt. Wichtig ist nur, sofort wieder aufzustehen und die Kraft des Wiederbeginnens aufzubringen. Dasselbe gilt im Familienleben. Die Elternmodelle aus der Werbung sind genauso irreal wie die in gewissen Biographien beschriebenen Heiligen. Es gibt keine Supermenschen. Es gibt vielmehr viele Menschen guten Willens, die sich bemühen, mit Liebe die kleinen und großen Dinge des Alltags zu heiligen.