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Persönliche Zeugnisse

Wir haben Schwierigkeiten, aber das braucht niemand zu wissen

Marta Tuñón. Madrid. Studentin für Betriebswirtschaft

Madrid, 26 Januar 2015

Stichwörter: Gerechtigkeit, Jugend, Armut
Als ich 2010 den Entschluss fasste, im Sommer nach Kenia zu fliegen, entrümpelte ich mein Gedächtnis und frischte ein Wissen wieder auf, das jahrelang brach gelegen hatte: Der hl. Josefmaria begann, unter den armen und Kranken von Madrid zu arbeiten, um das Werk auf den Weg zu bringen.

Seine Botschaft und sein Leben waren mir schon seit frühester Jugend bekannt, da ich in einer Schule gewesen war, die aufgrund seiner Impulse von Bürgern gegründet worden war. Außerdem gehören mehrere Mitglieder meiner Familie dieser Einrichtung der Kirche an. Aber um mir darüber klar zu werden, dass die Armut ein wesentlicher Aspekt im Leben des hl. Josefmaria und des Opus Dei darstellt, musste ich ihn als Realität in Afrika erleben.

Nun bin ich wieder zu Hause und erkenne, dass sowohl dort wie hier der Geist derselbe ist, auch wenn die Mitglieder des Werkes ihre christliche Berufung in den gewöhnlichen Umständen jedes Landes leben. Aber mein Aufenthalt in Kenia hat bewirkt, dass ich über die Schule und alles, was ich dort bekommen habe, hinausschauen konnte.

In Kenia wohnte ich in einem Studentinnenheim, das Keri heißt. Wir waren dort zu mehr oder weniger dreißig Studentinnen. Als ich das mir zugewiesene Zimmer betrat, fand ich zwei Dinge vor: ein Bett und ein Regal. Das solide gebaute Haus war nüchtern, aber geschmackvoll eingerichtet, ohne überflüssige Gegenstände, nur mit dem Notwendigen versehen, um aus ihm ein Zuhause zu machen.

"Es sieht gar nicht so aus, als ginge es hier jemandem schlecht"
Eine der Bewohnerinnen, von der ich am meisten lernte, war Frankie. Sie machte es sich zur Aufgabe, mir ganz Kimlea zu zeigen, und bat mich auch, andere Leute, die dieses Hilfsprojekt finanziell unterstützen könnten, zur Großzügigkeit zu bewegen. Einmal erzählte sie mir in groben Zügen vom Leben einiger Mädchen, die dort Unterricht hatten. Von einer wusste sie, dass ihre Eltern Aids haben, von einer anderen, dass sie viele Geschwister hat und die Familie sehr arm ist; es gab eine weitere, die zum Abendessen einfach eine Zwiebel kochte, wovon dann die ganze Familie aß; wieder eine isst nur einmal am Tag, usw. Da ich sah, wie die Mädchen lernten, lachten und überhaupt normalerweise total fröhlich waren, sagte ich daraufhin wohl so etwas wie: "Es sieht gar nicht so aus, als ginge es hier jemandem schlecht!" Worauf sie mir antwortete: "Wir haben viele Schwierigkeiten, aber das braucht niemand zu wissen."

Alle halfen sich gegenseitig, lernten eifrig und nahmen große Opfer auf sich, wie etwa einen Fußmarsch von mehreren Kilometern, um zur Schule zu kommen. Im täglichen Miteinander kümmert sich jede ohne Aufsehen um ihre persönlichen Probleme. Es war wohl immer spürbar, dass das Gottvertrauen diese schrumpfen lässt.

Das Ziel
Der Zweck meiner Reise war, in einem staatlichen Waisenhaus zu arbeiten, das die Leute vom Opus Dei kannten. Denn sie setzen sich nicht nur für ihre eigenen Initiativen ein, sondern überall, wo sie Nöte entdecken, die man wenigstens etwas lindern kann. So gibt es in der Universität Strathmore, Strathmore – eine körperschaftliche Einrichtung des Opus Dei – Studienpunkte (Credits) für die Studenten, die bei einem Sozialeinsatz mitmachen, zum Beispiel häufig in den Armenküchen von Mutter Teresa den Schwestern helfen. Alle Initiativen des Opus Dei sind für das Land von Nutzen.

Ein Euro für zwölf Stunden Arbeit
Koch- und Nähkurse, Englischunterricht… das ist eine kleine Auswahl der Ausbildungsveranstaltungen, die in Kimlea angeboten werden. Die meisten Teilnehmerinnen kommen von der Grundschule und direkt von der Feldarbeit. Sie leben in den Teeplantagen, und sofern die Ausbildung nicht umsonst ist, suchen sie in diesen Plantagen Arbeit, wo man für einen Zwölfstundentag einen Euro bekommt. Kimlea reagiert auf diese schlimme Situation und bietet den Mädchen und Frauen eine bessere Ausbildung an. Das wird ihnen am Ende die Ausübung eines Berufes erlauben, der ihren Familien ein Minimum an Wohlstand ermöglicht. Diese Ausbildung wird zu einem geradezu lächerlichen Preis vermittelt oder die Anwärterinnen werden gebeten, als Gegenleistung zu arbeiten. Nur so schätzen sie nämlich, was sie erhalten und lernen, gut zu arbeiten. Jede Alternative ist besser, als nur einen Euro am Tag zu verdienen. Da sie zudem mit dem Dialekt der dortigen Dörfer nirgendwo ankommen, ist es unumgänglich, dass sie englisch lernen.

Es gibt auch kostenlose Kinderbetreuung für die Mütter, die in Kimlea eine Ausbildung machen. Seit acht Jahren verfügt man innerhalb des Terrains von Kimlea über eine kleine Ambulanz, denn das öffentliche Gesundheitswesen ist nicht kostenlos. So können sie vor Ort behandelt werden und bekommen aus Arzneimittel. Wer zahlen kann, zahlt, wer nicht, verrichtet eine Arbeit.

Das Wichtigste … die Freiheit
Außerdem kann jede, die es möchte, geistliche Bildung erhalten. In dieser Hinsicht findet man alle Varianten: manche möchten getauft werden, wenn sie den katholischen Glauben kennen lernen, andere nicht. Es ist jedenfalls keine Verpflichtung. Alles passt und alle passen dahin. In Kimlea selbst kümmert man sich um die Mädchen und ihre Mütter, denen Nähkurse – wohl kostenlos – angeboten werden. Die Lehrerinnen in Kimlea sind Mitglieder des Opus Dei, die mit dem Ziel eines apostolischen Einsatzes nach Kenia gekommen sind, und, nachdem genügend Jahre vergangen sind, ehemalige Schülerinnen von Kimlea, die aus Kenia selbst stammen.

Einmal hatte ich die Gelegenheit, vom spanischen Botschafter in Kenia empfangen zu werden. Als ich ihn fragte, ob er das Opus Dei kenne, gab er mir eine überraschende Antwort: "Wie sollte ich es nicht kennen, wo doch diese Leute so viel für das Land tun.".