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Kultur und Heiligkeit: eine fruchtbare Begegnung

1 August 2012

Stichwörter: Kultur, Geschichte, Opus Dei, Universität
Neuerscheinung des 6. Bandes aus der Reihe “Studia et Documenta“ (2012)
Neue historische Studien über das Opus Dei und seinen Gründer

Mehr als hundert Artikel
Seit seiner Entstehung im Jahr 2007 hat das Historische Institut Heiliger Josefmaria Escrivá in Rom jährlich einen Beitrag zur Geschichte des Opus und seines Gründers herausgebracht. Im Laufe dieser sechs Jahre sind in Studia et Documenta mehr als hundert Artikel teils erheblichen Umfangs erschienen. Es handelt sich um konkrete, historisch belegbare Begebenheiten, die unter Berücksichtigung der Quellen zusammengetragen wurden. Die meisten sind besonders für die aktuelle Kirchengeschichte von Interesse, ergänzen aber auch andere geschichtlich relevante Daten.

Parallelgeschichten
Gerade heute besteht bei den Historikern wieder ein sichtliches Interesse an „Parallelgeschichten“, die schon vor 2000 Jahren sehr beliebt waren und weiterhin neue Perspektiven aufzeigen können. Das zeigt sich besonders im ersten Teil der Zeitschrift, die sich monographisch mit der Beziehung zwischen dem Gründer des Opus Dei und vier Intellektuellen befasst. Der erste von ihnen, José María Albareda, ist eine Persönlichkeit, die 30 Jahre lang im spanischen Wissenschaftsbereich auf Grund ihrer Forschungen im Bereich der Bodenkunde eine besondere Rolle spielte. Dieser Wissenschaftler hatte von Beginn der Gründung im Jahre 1939 bis 1966 gleichzeitig das Amt eines Sekretärs des „Consejo Superior de Investigaciones Cientificas (CSIC)“ inne. Er gehörte dem Opus Dei an und wurde 1960 zum Priester geweiht. Pablo Pérez Lopéz, Professor für zeitgenössische Geschichte, stellt die ersten Jahre dieser Bekanntschaft mit dem Gründer, 1935-39, vor. In diese Zeit fallen die besonders schwierigen Momente der gemeinsamen Flucht vor der religiösen Verfolgung während des Spanischen Bürgerkriegs.
Der hl. Josefmaria übergibt als Großkanzler der Universität von Navarra dem Kirchenrechtler Willy Onclin die Doktorurkunde
Der hl. Josefmaria übergibt als Großkanzler der Universität von Navarra dem Kirchenrechtler Willy Onclin die Doktorurkunde "Honoris Causa"

Auf derselben chronologischen Linie befasst sich die Arbeit von Onésimo Díaz mit den ersten Kontakten Escrivás mit einem weiteren bekannten spanischen Intellektuellen, Rafael Calvo Serer. Onésimo Díaz ist Spezialist für Kulturgeschichte und Politik des 20. Jahrhunderts. Er hat Calvo Serer schon mehrere Forschungen gewidmet, der als Professor für Geschichte und Förderer kultureller und journalistischer Arbeiten und politisch militanter Aktivist häufig Konfontationen mit dem Regime Francos provozierte, die u.a. zur Schließung der Tageszeitung Madrid führte, deren Präsident er war. Auch Calvo Serer war Miglied des Opus Dei, und – wie Albareda – erfuhr die geistlichen Impulse des hl. Josefmaria als einen Anstoß zu einer völlig freien, aber christlich motivierten kulturellen und politischen Aktivität.

José Carlos Martín de la Hoz, Theologe und Geschichtswissenschaftler, skizziert eine weitere Persönlichkeit, die in den Studien beleuchtet wird: Msgr.José López Ortíz, Bischof und Rechtsgelehrter. Die Beziehung zwischen ihm und Josemaría Escrivá bestand fast 50 Jahre lang und zeichnete sich durch eine tiefe Freundschaft aus.

Ein Gespräch des hl. Josefmaria mit Arcadio María Larraona auf der kleinen Terrasse des Appartements von
Ein Gespräch des hl. Josefmaria mit Arcadio María Larraona auf der kleinen Terrasse des Appartements von "Città Leonina" in Rom
Der vierte Intelektuelle, der uns in diesen monographischen Studien vorgestellt wird, ist der belgische Kirchenrechtler Willy Onclin. Prof. Jean Pierre Schouppe, Jurist und Spezialist in Kirchenrecht, skizziert die wesentlichen Züge der Freundschaft zwischen dem Gründer des Opus Dei und dem Professor an der Universität Löwen, die sich während des II. Vaticanums kennen lernten, wo Professor Onclin eine wichtige Rolle bei der Reform des Codex Iuris Canonici von 1983 spielte.

Begegnungen und Arbeiten des Gründers bei seiner ersten Romreise
Der Teil von Studia und Documenta der dem Thema "Studien und Hinweise" gewidmet ist, befasst sich mit verschiedensten Themen. Das erste setzt in gewisser Weise das vorherige Kapitel fort und und untersucht die Beziehung des hl. Josefmaría zu zwei „Hauptakteuren“ der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts: Papst Pius XII. und einem seiner engsten Mitarbeiter, Msgr. Giovanni Battista Montini, dem späteren Papst Paul VI. Die Aufarbeitung wurde vom dem Historiker Luis Cano vorgenommen, der die Verhandlungen und Schritte des Gründers des Opus Dei während seines ersten Aufenthalts in Rom umfasst. Der Autor beschränkt sich auf noch unbekannten Details der Reise sowie auf die Kontakte des Gründers zu Personen, die er damals in Rom kennenlernte. Unter ihnen ragte die Gestalt von Msgr. Montini in besonderer Weise hervor. Diese Begegnungen markierten den Anfang der Geschichte der zukünftigen Beziehungen zwischen dem Opus Dei und dem Hl. Stuhl.
In "Frau und Universität in Spanien (1910-1936)" beschreibt Montero die zugleich hoffnungsvolle und realistische Sicht, die der Gründer des Opus Dei schon in jenen Jahren hinsichtlich der wichtigen Aufgabe der Frau im Universitätsleben bewies

Der folgende Artikel stammt von Mercedes Montero. Als Historikerin widmet sie sich besonders dem Thema der Kommunikation. Der Artikel beschreibt die Situation der Frauen an der Universität in Spanien zwischen 1910 und 1936. Sie bezieht in ihre Betrachtungen den Punkt 946 vom Weg ein. Montero erklärt, wer der Autor jenes Satzes ist, den Josemaría in seinem Punkt erwähnt („Die Frauen brauchen nicht gelehrt zu sein, es genügt, dass sie klug sind.“), den man häufig zum Anlass genommen hat, negativ über die Integration der Frau im gesamten Bereich der Kultur zu sprechen. Gleichzeitig dokumentiert sie die hoffnungsvolle und realistische Perspektive bezüglich der noch zu erwartenden Beiträge der Frau zum Universitätsleben, die der Gründer des Opus Dei zu dieser Zeit schon besaß.

Das Opus Dei im Spanien Francos: Mythos und Wirklichkeit
Der Historiker Jaume Aurell nimmt sich in einem ausgedehnten Studium des Problems an, wie sich der „Mythos“ des Opus Dei im von Franco geprägten Spanien herausbilden konnte, und zeigt den Kontrast zwischen der Wirklichkeit dieser Institution der Kirche und ihrem Bild in der Öffentlichkeit auf. Das Opus Dei wurde von vielen, die einem spanischen Nachkriegskatholizismus anhingen, als „gefährliche Neuheit“ oder „Häresie“ betrachtet. Andere ordneten es im Gegensatz dazu später als konservative Organisation ein, die ihre eigene politischen und wirtschaftlichen Interessen durchsetzen wollte, noch später dann als ein Produkt des Franco-Regimes. Aurell erforscht die Elemente, die Ursprünge und die Entwicklung, die seiner Ansicht nach zur Entstehung dieses negativen „Mythos“ geführt haben oder die „schwarze Legende“ des Opus Dei hervorbrachten. An diesem Beispiel erklärt er die Mechanismen, die in den postmodernen Gesellschaften diese oberflächlichen Ansichten über Personen und Institutionen begünstigen.

Im Kapitel Documente befasst sich der Spezialist Santiago Martínez Sánchez mit der freundschaftlichen Beziehung zwischen Escrivá und einer weiteren herausragenden Persönlichkeit der spanischen Kirche: Kardinal José María Bueno Monreal. Er untersucht diese Beziehung anhand des reichhaltigen Briefverkehrs, der zwischen beiden in den Jahren 1939-1975 bestand. Santiago Martínez macht erstmalig diese Briefe der Öffentlichkeit zugänglich und versieht sie mit einer ausführlichen Einleitung.

Die Anfänge des Werkes vom Hl. Raphael
In der gleichen Rubrik veröffentlicht der Historiker Fernando Corvetta ein anderes bisher noch unbekanntes Dokument: es handelt sich um Aufzeichnungen von Juan Jiménez Vargas zum Beginn der Arbeit von Sankt Raphael in den Jahren 1933-1935, einem Angebot von christlichen Bildungsveranstaltungen, denen sich der hl. Josefmaria Escriva mit enormem Einsatz widmete. Präzise und klar, wie es seiner Art entspricht, schildert der junge Vargas die ersten Schritte dieser Arbeit, die ein besonderes Charakteristikum des Opus Dei seit seinen Anfängen darstellt.

In dem Abschnitt Neuheiten, der hauptsächlich Aktuelles vom Opus Dei bringt, findet sich der Bericht über die Mitarbeit von Kardinal Antonio Maria Rouco und den Professoren José Luis Illanes, Miguel Ángel Garrido und Pedro Rodriguez anlässlich der Präsentation der historisch-kritischen Ausgabe des Buches Santo Rosario (Der Rosenkranz) 2011 in Madrid, die Teil der kompletten Ausgabe aller Werke des Gründers ist, die vom Historischen Institut nach und nach erarbeitet wird.

Die bibliographische Sparte umfasst 20 Rezensionen und Buchbesprechungen, die sich mit der Forschung zum Opus Dei und zur Gestalt des hl. Josefmaria in ihrem historischen Kontexte befassen.

Der letzte Teil der Zeitschrift enthält wie gewöhnlich bibliographische Angaben, unter denen dieses Mal die allgemeine Bibliographie über Bischof Alvaro del Portillo ihren Platz gefunden hat. Sie umfasst fast 50 Seiten und präsentiert eine vollständige Liste aller Veröffentlichungen, sowohl von dem ersten Nachfolger des hl. Josefmaria selbst als auch über ihn.

Eine interessante Neuheit dieser Nummer von Studia et Documenta liegt in der Tatsache, dass das Historische Institut erstmals selbst als Herausgeber fungiert, denn es hat nicht nur wie bisher die Redaktion und wissenschaftliche Leitung übernommen, sondern ebenfalls die Herausgabe der Zeitschrift veranlasst. Durch diesen Schritt will das Institut die Veröffentlichung von Jahrbüchern in akademischen und wissenschaftlichen Kreisen fördern und nicht nur Interessierte oder Spezialisten erreichen, die sich für die Gestalt des hl. Josefmaria interessieren. Es bietet günstige Bedingungen zur Abonnierung der Zeitschrift an, inklusive der Möglichkeit, auf schon erschienene Nummern zurückzugreifen, und lädt alle Bezieher der Studia et Documenta und andere Interessenten ein, die Website www.studiaetdocumenta.org zu besuchen, wo weitere Information zur Verfügung stehen.


Die vollständige Ausgabe und abstracts (in der Originalsprache und auf englisch) von Studia et Documenta 6 (2012)finden Sie auf den Seiten: http://www.isje.org/esp/studia-et-documenta6.html