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Fragen und Antworten zum Glauben

Was geschah beim Letzten Abendmahl?

Francisco Varo

Stichwörter: Lehre, Kirche, Jesus Christus
Die Stunden, die Leiden und Tod Jesus vorausgingen, brannten sich mit besonderer Intensität in Herz und Gedächtnis der Seinen ein. Daher enthalten die Schriften des Neuen Testaments verhältnismäßig zahlreiche Einzelheiten hinsichtlich dessen, was Jesus beim Letzten Abendmahl gesagt und getan hat. Nach Joachim Jeremias ist es einer der bestbezeugten Zeitabschnitte seines Lebens. Bei dieser Gelegenheit war Jesus allein mit den zwölf Aposteln (Mt. 26, 20; Mk 14, 17 u. 20; Lk 22, 14). Weder seine Mutter noch die Frauen, die ihn sonst begleiteten, waren dabei.

Nach dem Bericht des hl. Johannes wäscht Jesus seinen Jüngern zu Beginn die Füße – eine bedeutungsschwere Geste – und gibt so ein Beispiel demütigen Dienstes (Joh 13, 1-20). Anschließend schildert er eine der dramatischsten Szenen dieses Zusammenseins: Jesus kündigt den Verrat durch einen von ihnen an. Angesichts dieser Worte blicken sich alle voller Entsetzen an, und Jesus weist in diskreter Form auf Judas hin (Mt 26, 20-25; Mk 14, 17-21; Lk 22, 21-23 und Joh 13, 21-22).

In der eigentlichen Feier des Abendmahls war das überraschendste Ereignis die Einsetzung der Eucharistie. Von dem Geschehen sind uns vier Berichte überliefert – die drei der Synoptiker (Mt. 26-29); Mk 14, 22-25; Lk 22, 14-20) und der von Paulus (1 Kor 11, 23-26) –, die große Ähnlichkeit miteinander aufweisen. In allen Fällen handelt es sich um Erzählungen, die nur wenige Verse umfassen, in denen an die Gesten und Worte Jesus erinnert wird, die das Sakrament einsetzen und den Kern des Neuen Ritus bilden: „Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis. (Lk 22, 19 u. Par.)

Diese Worte drücken die radikale Neuheit dessen aus, was bei diesem Abendmahl Jesu mit seinen Aposteln im Vergleich mit den normalen Mahlzeiten geschah. Jesus gab beim Letzten Abendmahl kein Brot an die, welche mit ihm um den Tisch versammelt waren, sondern unter der Gestalt des Brotes verbarg sich eine andere Wirklichkeit: „Das ist mein Leib.“ Und er übergab den anwesenden Aposteln die notwendige Vollmacht, zu tun, was er in diesem Augenblick tat: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Am Schluss des Abendmahls geschieht etwas ähnlich Bedeutungsvolles: „Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“ (Lk 22, 20 u. Par.)

Und die Apostel verstanden, dass Jesus, nachdem sie zuvor der Hingabe seines Leibes unter der Gestalt des Brotes beigewohnt hatten, ihnen nun sein Blut in einem Kelch zu trinken gab. So erkannte die christliche Überlieferung in diesem Gedächtnis der getrennten Hingabe seines Leibes und seines Blutes ein wirksames Zeichen des Opfers, das wenige Stunden später am Kreuz seine Vollendung finden sollte.

Da Jesus außerdem während der ganzen Zeit Worte voller Liebe sprach, prägten sich ihnen diese seine letzten Worte tief ein. Im Johannesevangelium ist uns diese lange bewegende Rede nach dem Mahl überliefert. Hier gibt ihnen Jesus auch das neue Gebot als einen Auftrag, dessen Erfüllung das Erkennungszeichen des Christen sein wird: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihre einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ (Joh 13, 34-35)


BIBLIOGRAPHIE:
- Joachim Jeremias, The Eucharistic Words of Jesus (SCM Press, 1990)
- Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Teil 2, (Herder, 2011).